
Aufwertung am Bahnhof Flawil

Die Gemeinde Flawil hat mit einigen unverständlichen Entscheidungen in den letzten Jahren für viel Unmut in der Bevölkerung gesorgt. So wurde auch das Areal beim Bahnhof an die Firma SFS (mit Hauptsitz in Heerbrugg) verkauft. Diese Grundstücke in Bahnhofnähe wären begehrtes und attraktives Bauland für Wohn- und Gewerbebauten. Mit fragwürdigen Argumenten wurde es jedoch an die Industrie verkauft. Städtebaulich ist das Vorhaben nicht mehr zeitgemäss und muss zwingend auf die rechtliche Situation neu beurteilt werden.
Aktuell sind viele Projekte entlang der SBB-Linie St.Gallen-Genf in Bearbeitung. Die Umnutzung von bestehenden Fabrikarealen in Wohn- und Gewerbenutzung wird aktiv geplant. Sie sind in Vorbereitung oder bereits in der Umsetzung. Viele gute Beispiele lassen sich auch in der Umgebung finden.
Das SFS-Projekt würde das Ortsbild von Flawil prägen, leider negativ. Ein Zentrum muss Lebensraum für Menschen jeden Alters und Platz für Gewerbetreibende bieten. Die Zeit der Industrialisierung ist Geschichte. Ein neues Zeitalter ist angebrochen. In diversen Zonen- und Ortsplanrevisionen wird das bereits berücksichtigt. Auch Flawil ist aufgerufen diesen Schritt zu machen.
Das heisst: Keine Industrie am Bahnhof!
Trotzdem plant die Gemeinde mit der Anpassung des Richtplans eine sehr umstrittene, fragwürdige und nicht mehr zeitgemässe Entscheidung durchzusetzen. Statt sich für ein Mischgebiet (Wohnen und Gewerbe) einzusetzen, wird das Areal ausschliesslich für eine gewerblich-industrielle Nutzung vorgesehen. Einziges Ziel ist den ansässigen Betrieb (SFS) zu erhalten, sowie dessen Weiterentwicklung zu ermöglichen. Die Förderung von Arbeitsplätzen an zentraler Lage ist gemäss AREG (Amt für Raumentwicklung und Geoinformation) ein kantonales Ziel. Soll das Zentrum nur noch der Industrie statt auch der Bevölkerung zur Verfügung stehen? Das ist gegen jeden Zeitgeist.
An der Bürgerversammlung vom Dienstag, 30. November 2021, wurde der Verkauf der Grundstücke Nummern 2271 und 3134 im Gebiet «Töbeli» an die SFS beschlossen. Dieser Kaufvertrag steht u.a. unter der Bedingung, dass vorab ein Sondernutzungsplan genehmigt werden muss. Das zweite Mitwirkungsverfahren ist ebenfalls abgeschlossen. Der Sondernutzungsplan sowie die Visualisierung ist vom 10. Juni bis 9. Juli 2024 im Bauamt (Gemeinde Flawil) aufgelegt. Ebenso sollte dort das Modell des überdimensionierten Industriebaus der SFS ausgestellt sein.
Der Sondernutzungsplan beinhaltet entscheidende und unhaltbare Punkte:
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Die Maximalhöhe gemäss Bauzone soll von 18 Meter um 2 Meter auf 20 Meter angehoben werden.
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Die Zufahrt zur Produktionsstätte erfolgt über die Dammstrasse, welche viele Kinder für den Schulweg benutzen, und dadurch ist die Schulwegsicherheit gefährdet.
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Das gesamte Areal verbleibt in der Industrie und Gewerbezone. Eine spätere Nutzung als Wohn- und Gewerbezone wird damit ausgeschlossen.
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etc.
Töbeli – Wohngebiet oder nicht:
In einem Gutachten aus dem Jahr 2014 wurde festgestellt, dass das Töbeli für Wohnzwecke angeblich ungeeignet sei. Dazu gibt es jedoch kein zeitgemässes Argument. Obwohl dieses Gutachten veraltet ist, stellt sich die Gemeinde nach wie vor darauf ab. Allgemein wird verdichtetes Bauen verlangt und die Ortsplanungen dementsprechend angepasst. Wohnbauten in Bahnhofnähe sind sehr begehrt. Wieso verpasst Flawil diese Chance zur Aufwertung?
Eine Stadt und deren Arbeitsplätze werden für das Leben und die Bedürfnisse der Menschen gemacht und nicht für die Bedürfnisse der Industrie. Als Argument muss immer wieder der Erhalt von Arbeitsplätzen herhalten. Wie sieht das aus, wenn in den nächsten Jahren in Fabrikhallen an bester Lage vermehrt Roboter im Einsatz stehen? Wenige verbleibende Arbeitsplätze in einer riesigen, automatisch betriebenen Fabrik mitten im Zentrum von Flawil, sowie ein negativer Impact auf die Wirtschaftlichkeit der Gemeinde wären die Folgen.
Fazit:
Der Sondernutzungsplan zeugt von fehlender Weitsicht von Behörden und Verwaltung. Er ist visionslos, spricht gegen jeden Zeitgeist und er berücksichtig ausschliesslich die Bedürfnisse der Industrie. Flawil ist auf dem Weg, sich zu einer Stadt zu entwickeln. Mit solchen fehlgeplanten Projekten, welche die Gemeinde mit allen Mitteln zu verwirklichen versucht, wird kommenden Generationen eine stadtgerechte Ortsplanung verunmöglicht.
Das heisst: Keine Industrie am Bahnhof!
Zukunft Töbeli als Aufwertung am Bahnhof:
Das Töbeli bietet umfangreiche Möglichkeiten, zu einem attraktiven Wohn- und Gewerbegebiet in der Nähe zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu werden.
Das heisst: Keine Industrie am Bahnhof!
Nachfolgend eine mögliche Visualisierung der Dammstrasse auf Höhe der Unterführung zur Riedern- und Feldhofstrasse.


© Jolanda Lüdi, St. Gallen
Unten das Modell der geplanten Industrieüberbauung am gleichen Standort wie obige Visualisierung einer möglichen Wohn- und Gewerbenutzung.

© Werner Gmünder, Flawil
Bereits umgesetzte Projekte zeigen, dass mit einer städtebaulich sinnvollen Umnutzung von solchen Arealen neue, wertvolle Lebensräume geschaffen werden können.
Baden: Müllerbräu Areal
Bern Wankdorf: TRIO
Buchs: Rheincity
Fribourg: Neugestaltung Bahnhofplatz
Gossau: Perron 3
Lausanne: Bahnhof Lausanne
Olten:Areal Bahnhof Nord Baufeld 1
Wil: Perronimo
Winterthur: Sulzerareal
Zürich: Toni-Areal, Projekt Löwenbräu Areal, Europaallee